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Thema: die Dinge beim Namen nennen...

  1. #1
    Hat Ahnung Benutzerbild von Grimmbold
    dabei seit
    23.11.09 - 22:07
    Beiträge
    39

    Standard die Dinge beim Namen nennen...

    Hallo erstmal. ich bin der neue ;-)

    Ich such mir schon seit Tagen die Finger im Netz wund. Nun bin ich auf dieses Forum gestoßen, hab mal n bisschen rum gelesen, und dachte mir, ich misch mal mit.
    Nicht zuletzt, weil ich hier das Gefühl habe, die Leute denken über das nach, was sie sagen. Ich brauche keine Foren, wo die Leute einfach nur was schreiben wollen. mir ist es ernst. Hier scheine ich damit nicht allein zu sein, deswegen wende ich mich mit meiner Anfrage an euch.

    Aber nun mal zum Thema:

    In meinem engsten Freundeskreis ist mir vor kurzem ein Fall von übelster Misshandlung bekannt geworden. Zur ersten Beruhigung, das schlimmste ist überstanden. die Misshandlungen finden zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr statt.

    Zur Verständnis, werde ich kurz anschneiden was passiert ist.

    Es schildert sich so, dass eine sehr gute Freundin von mir schwer misshandelt wurde. Angefangen hat das im Alter von 7 Jahren. Sie wurde plötzlich nur noch gehasst.
    sie wurde geschlagen, vergewaltigt, an fremde Männer verkauft, um von denen vergewaltigt zu werden. Über mehrere Jahre hinweg. Ihre Geschwister hatten derweil ein recht sorgenfreies Leben, ohne Qualen dieser Art. Während ihre Geschwister einfach nur eine normale Kindheit verleben durften, wurde sie mit allen Mittel gequält. Täter in diesem Fall war an erster Stelle ihre Mutter. Nebenher der Onkel, mütterlicherseits, der sie auch verprügelte und vergewaltigte. Die Prügel-Orgien geschahen hauptsächlich durch die Mutter. Und wenn der Onkel zu Besuch war, machte er mit. Sie sperrten sie im Keller ein, ließen sie dort im dunkeln in der Kälte sitzen. Sie bekam oft Tage lang nichts zu essen. wartete ständig nur darauf, wieder verprügelt zu werden, oder vergewaltigt, ob von ihrem Onkel, oder wieder von irgendeinem fremden Mann, der ihre Mutter dafür bezahlt hatte.

    Ich will das nun nicht weiter ausführen, denn auch mir bereitet der Gedanke daran großen Schmerz.

    Ach ja, falls nun die Frage aufkommt, wo der vater war, er war an diesen Tagen (also fast täglich) mit den Geschwistern unterwegs. Im Kino, eis essen, was auch immer. Es ist nicht genau bekannt, ob er überhaupt von der ganzen sache wusste. Ich gehe aber davon aus, dass er es wusste und einfach nur die Augen verschlossen hat.

    Nun wisst ihr worum es geht. Meine hauptsächliche Frage kommt jetzt.

    Das Verhalten, dass die Mutter an ihrer Tochter auslebte, dass sie sie plötzlich einfach nur mit Hass quälte, lässt sich wohl auf eine psychische Störung zurück führen.
    Gibt es einen Namen dafür?
    Gibt es Gründe dafür?
    Warum hat sie das getan?

    Es erinnert stark an das Münchhausen-Stellvertreter Syndrom,

    http://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BC...rtretersyndrom

    jedoch gibt es gewaltige Unterschiede.


    Und eins noch. wer so einen Fall mal genauer nachlesen möchte, sollte sich bitte das Buch <sie nannten mich "Es"> besorgen.Autor ist David Pelzer. Er schildert darin seine eigene Kindheit, die recht ähnlich verlief. Ich habe dieses buch gelesen, lange bevor mir dieser Fall in meinem direkten Umfeld bekannt wurde.
    ich muss aber warnen. dies ist kein Krimi-Roman. Ich musste das Buch mehrmals für ein Paar Tage zur Seite legen. Es zeigt eine Kindheit, die schlimmer kaum sein könnte. Er geht auf alle Details ein. doch wer es vertragen kann, sollte es lesen.
    Solche Dinge, so schlimm sie auch sein mögen, gehören leider zu unserer Welt, und niemand sollte die Augen davor verschließen.

    Doch nun hoffe ich darauf, dass jemand Lust hat, diesen Wortschwall hier zu lesen, und hoffe noch mehr darauf, dass mir jemand sagen kann, was die Gründe dafür sind oder sein können. Ich kann nichts ungeschehen machen, ich will es einfach nur verstehen.

    Danke im Vorraus,

    euer Grimmbold

  2. #2
    ...back in town Benutzerbild von sonne71
    dabei seit
    9.2.04 - 20:55
    Beiträge
    5.763

    Standard AW: die Dinge beim Namen nennen...

    Hallo Grimmbold, zunächst einmal herzlich Willkommen im Forum!

    An dieser Stelle möchte ich Dir erst einmal für Deinen Beitrag danken, morgen antworte ich ausführlicher, geht heute Abend leider nicht mehr. Aber ich habe Dein Post schon komplett gelesen
    Ich werde immer laut durch's Leben ziehn,
    jeden Tag in jedem Jahr
    und wenn ich wirklich einmal anders bin,
    ist mir das heute noch scheißegal!

  3. #3
    Hat Ahnung Benutzerbild von Grimmbold
    dabei seit
    23.11.09 - 22:07
    Beiträge
    39

    Standard AW: die Dinge beim Namen nennen...

    Puh, ich dachte schon es wäre so lang, dass es keiner liest ^^

    Danke dir, sowohl für den Willkommensgruß als auch für den Willen zu Antworten ;-)

  4. #4
    Halb(foren)Gott/Göttin Benutzerbild von criticalmass
    dabei seit
    3.6.06 - 19:24
    Beiträge
    1.319

    Standard AW: die Dinge beim Namen nennen...

    Hallo Grimmbold, Du kannst Dir sicher sein, das Dein Beitrag nicht ungelesen rumdümpelt. Aber da das Thema auch ziemlich an die Nieren geht, werden einige erst mal etwas Zeit brauchen, um eine Position zu beziehen - und da nehme ich mich nicht aus.

    In der Zwischenzeit aber eine Gegenfrage: Was erwartest Du von den Antworten? Verständnis für Tat und Täter, Ansätze zur Früherkennung und Vermeidung, oder was sonst?
    Eines schönen Tages fällt mir ein prima Spruch ein und ich schreib ihn hier hin.

  5. #5
    ...back in town Benutzerbild von sonne71
    dabei seit
    9.2.04 - 20:55
    Beiträge
    5.763

    Standard AW: die Dinge beim Namen nennen...

    Hi Grimmbold, dann versuche ich mal Dir zu antworten.

    Ich denke Deine Fragen könnte Dir nur die Mutter selbst beantworten. Man kann jede Menge Vermutungen anstellen was eine Mutter (oder andere Verwandte) dazu bringt ihr eigenes Kind zu hassen und es zu "verkaufen". Vielleicht hat sie nie Liebe empfinden können, evtl. hat sie es in ihrer Kindheit selbst nicht besser kennen gelernt, eine psychische Erkrankung oder Drogenabhängigkeit können eine Rolle spielen oder auch reine Geldgier - da gibt es unendlich viele Erklärungsmöglichkeiten. Persönlich stünde das "warum" bei mir an 2. Stelle, ich würde zuerst dafür sorgen das sie samt Onkel in den Knast wandert! Das ist eins der wenigen Punkte wo sie Chance auf ein klitzkleines Stück "Rache" hat. Auch wenns das nicht wieder gutmacht, ungestraft dürfen die einfach nicht davonkommen. Hat sie die Leute angezeigt?

    Wo ist sie denn heute? Sie ist doch hoffentlich da raus? Und ganz wichtig: In psychologischer Behandlung? Niemand wird jemals das Geschehene ungeschehen machen können, aber ohne fachliche Hilfe wird es sehr sehr schwer...
    Ich werde immer laut durch's Leben ziehn,
    jeden Tag in jedem Jahr
    und wenn ich wirklich einmal anders bin,
    ist mir das heute noch scheißegal!

  6. #6
    Hat Ahnung Benutzerbild von Grimmbold
    dabei seit
    23.11.09 - 22:07
    Beiträge
    39

    Standard AW: die Dinge beim Namen nennen...

    mit 16 ist sie zu Hause ausgezogen. Sie ist heute 21, führt ein geregeltes Leben, Hat eine Berufsausbildung gemacht, arbeitet im erlernten Beruf. Zu ihrer Familie gibt es keinen Kontakt. Was das angeht ist sie also in Sicherheit.

    Polizei, ja sicher, eine Option... ...aber sie will nicht
    Durch ihre Erlebnisse fällt es ihr sehr schwer, Menschen zu vertrauen. Ich bin da einer der wenigen. Ich kann und will nicht von ihr verlangen, alles was sie erlebt hat, wild fremden Menschen zu erzählen.
    Noch dazu wäre es schwer zu beweisen. Das Verfahren würde sich lange hinziehen, und wenn die Täter überhaupt bestraft würden, wie würde die Strafe schon ausfallen...?
    Ich habe ihr angeboten, mit ihr zusammen zur Polizei zu gehen, aber ich sehe, dass sie Angst davor hat. Wenn ich sie nun dazu drängen würde, wäre es wahrscheinlich auch bei mir bald vorbei mit dem Vertrauen, und wen hat sie dann noch? Nein, das wird wohl nix.

    Auch einen Psychologen lehnt sie ab. Ich halte das aber auch für sinnvoll und hake da ab und an mal nach. nur zu den passenden Zeitpunkten natürlich. Ich vermeide es, sie in total glücklichen, sorgenfreien Momenten, an alles zu erinnern.

    Ich kann im Moment nicht viel mehr tun, als bei ihr zu sein. Und wenn ich es nicht bin, bin ich permanent erreichbar. Ich fahre wenn ich kann auch mal nach Feierabend die 106km zu ihr, damit sie nicht zu viel allein ist. (deswegen war ich gestern nicht im Forum) Sie freut sich, wenn jemand da ist, den sie kennt und dem sie vertraut, genießt es, wenn man einfach nur neben ihr sitzt. Und wenns nur vor dem Fernseher ist.

    Die meiste Zeit über geht es ihr heute gut. Nur manchmal kommt der alte Stress doch wieder hoch, und in diesen Momenten bin ich da.

    Rache.... ...wer denkt nicht dran...?

    kurz nach dem ich von der ganzen Sache erfahren hab, dacht ich auch an Rache. Und wenn ich wüsste, wo die Leute sind... ich weiß nicht, ob ich hingefahren wäre.
    Letzten Endes denke ich, dass man sie nur auf dem offiziellen Weg bestrafen sollte. Sicher hat mich ein Baseball-Schläger im ersten Moment angelächelt. Aber wer bin ich, diese Leute zu richten? Wäre ich besser als sie? Wahrscheinlich nicht.

    Aber der offizielle Weg geht nur, wenn sie es machen will. Und wie gesagt, ich werde sie nicht drängen.

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